Monthly Archive for März, 2009

Mal wieder auf dem Holzweg…

Das Bundeskabinett hat eine härtere Vorgehensweise gegen Kinderpornografie beschlossen. Das ist an sich ja schonmal eine gute Sache, die meine vollste Unterstützung hat. Dumm nur, dass man hier den Weg der Sperrung von Webseiten wählt. Was soll das bringen?

Deutsche “Konsumenten” können nun nicht mehr auf die KiPo-Seiten zugreifen. Die Bundesregierung verspricht sich dadurch, den kommerziellen Markt “empfindlich” zu stören. Hallo? Das klingt für mich jetzt so, als wäre Deutschland der “Hauptabnehmer” für KiPo. Ich wage das irgendwie zu bezweifeln. Wenn man den Zugriff auf die Server sperrt, dann gibt es immer noch die Möglichkeit, über Proxy-Server auf die Seiten zuzugreifen. Und dann? Was ist der nächste Schritt? Den Zugriff auf Proxy-Server verbieten? Das Internet abschaffen?

In Sachen Internet schafft es die Bundesregierung immer wieder, den Holzweg zu wählen. Wahrscheinlich sind echt Experten einfach zu teuer, und der richtige Weg nicht besonders Medienwirksam. Statt nur den Zugriff auf die Seiten zu sperren, sollte man sich lieber um Amtshilfe bemühen. Es kann doch nicht so schwer sein, Unterstützer in anderen Ländern beim Kampf gegen KiPo zu bekommen, oder?

Denn durch eine gesperrte Webseite wird jedenfalls kein Verantwortlicher überführt, kein Konsument gestellt und kein einziges Kind gerettet…

//Nachtrag: Nicht zu vergessen auch die Gefahr, dass übermütige Wahlkampf-Politiker die Liste auf Killerspiele, Glücksspielseiten und andere ausweiten.

Hinweis: Das verfremdete Titelbild dient nur der Illustration. Es handelt sich natürlich um keine echte KiPo-Seite.

Dringend kompetentes BAföG-Amt gesucht!!

Hallo,

Hier mal ein Aufruf in eigener Sache: Ich benötige DRINGEND ein kompetentes BAföG-Amt, dass sich um die Anliegen seiner Studenten mit der gebührenden Aufmerksamkeit kümmert. Das nicht nur auf Formulare und Paragrafen pocht, sondern auch erkennt, wenn der Antragsteller Fehler macht. Das den Antragsteller nicht sich selbst überlässt, und ihn zusehen lässt, wie er den Monat was zu fressen bekommt.

Sollte jemand so ein Amt kennen, bitte, teilt es mir mit. Das Studentenwerk Oldenburg jedenfalls passt nur auf die obige negative Beschreibung. Sauhaufen…

Die imaginäre Tinte…

…unter meinem letzten Beitrag ist noch nichtmal richtig getrocknet, da ist mir heute folgender Schnappschuss in Wilhelmshaven auf dem Frühlingsmarkt gelungen:

"Neu: Laser-Visier - Zielhilfe für Kinder!"

"Neu: Laser-Visier - Zielhilfe für Kinder!"

“Neu: Laser-Visier – Zielhilfe für Kinder!”.

Super, großes Kino. ;) Da hat jemand den Zahn der Zeit getroffen… :mrgreen:

Eine Meldung aus dem Krankenbett…

…zum Thema der letzten Tage. Mit dem Post hier möchte ich das Thema dann auch zum Abschluss bringen und mal zum Nachdenken anregen.

In einer bewegenden Trauerfeier wurde heute Abschied genommen von den Kindern, denen es durch die Hand eines Einzelnen nicht mehr vergönnt war, das Leben selbst zu erforschen. Horst Köhler, der teilweise seine Tränen nicht mehr unterdrücken konnte, mahnte zu schärferen Regelungen für “Killerspiele”. Er beruft sich dabei auf einen offenen Brief der Eltern, indem sie eben dieses Fordern.

[Link zum Brief in der Winnender Zeitung]

Aber im Gegensatz zur wahlkampfblinden Politik, haben die Familien der Opfer ein differenzierteres Bild, was ich sehr bewundere, wenn man bedenkt, dass sie vor grad mal einer Woche ihre Kinder verloren haben.

An allererster Stelle in ihrem Brief legen sie sich mit einer urdeutschen Tugend an, den Schützenvereinen und Sportschützen.

Zitat:

Wir wollen, dass der Zugang junger Menschen zu Waffen eingeschränkt wird. Die derzeitige gesetzliche Regelung ermöglicht die Ausbildung an einer großkalibrigen Pistole bereits ab dem 14. Lebensjahr. Bedenkt man, dass ein junger Mensch gerade in dieser Zeit durch die Pubertät mit sich selbst beschäftigt und häufig im Unreinen ist, so ist die Heraufsetzung der Altersgrenze auf 21 Jahre unerlässlich.

Grundsätzlich muss die Frage erlaubt sein, ob der Schießsport nicht gänzlich auf groß-kalibrige Waffen verzichten kann. Bis in die achtziger Jahre hinein genügten unseres Wissens nach den Sportschützen kleinkalibrige Waffen. Bis heute sind die olympischen Wettkämpfe auf Luftdruck- und Kleinkaliberwaffen beschränkt.

Sollte aus Gründen, die wir nicht kennen, der Verzicht auf großkalibrige Waffen nicht möglich sein, so muss die Schusskapazität verringert werden. Bei der Jagd sind die Magazine der automatischen Waffen auf maximal 2 Schuss begrenzt. Warum nicht auch beim Sport?

Der Gesetzgeber hat die Vergabe von Waffenbesitzkarten und die daraus entstehenden Verpflichtungen, wie z. B. die Aufbewahrung von Waffen und Munition, vollständig geregelt.
Die zu erwartenden Strafen bei Verstoß gegen die entsprechenden Gesetze erfüllen aber nicht ihren Zweck. Eine Ordnungswidrigkeit wird eher wie ein Kavaliersdelikt betrachtet. Der Gesetzgeber muss Verstöße gegen das geltende Waffenrecht deutlicher und stärker ahnden.

Zitat Ende.

Das erfordert Mut. Ich persönlich konnte Schützenvereinen und dem ganzen Tamtam drumherum noch nie etwas abgewinnen, und nachdem ich das ein paar mal beobachten durfte, wird sich daran auch nichts ändern. Waffen gehören in die Hände professioneller Schützen, und nicht in die Hände 15-jähriger, die mal schießen dürfen, weil ihr Daddy jetzt n ganz Großer im Verein ist.

An zweiter Stelle im Brief wenden sich die Angehörigen an die Medien, speziell an das Fernsehen. Hier heißt es:

Wir wollen weniger Gewalt im Fernsehen. Das Fernsehen, als noch wichtigste Informations- und Unterhaltungsplattform, hat einen sehr großen Einfluss auf die Denk- und Gefühlswelt unserer Mitbürger. Das Fernsehen setzt heute die ethischen und moralischen Standards. Wenn wir es zulassen, dass unseren Mitbürgern weiterhin täglich Mord und Totschlag serviert werden, ist abzusehen, dass die Realität langsam, aber stetig dem Medienvorbild folgen wird. Von den Sendern muss verlangt werden, dass sie ein ausgewogenes Programm anbieten und die Zurschaustellung von Gewalt reduziert wird. Eine „Gewaltquote”, der Anteil von Sendungen mit Gewalt in Relation zur Gesamtsendezeit pro Sender, sollte eingeführt werden.

Die Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche fernsehen, sollten generell gewaltfrei sein.

Diesen Aufruf unterstütze ich gern. Vergleicht man das Fernsehprogramm von heute mit dem Fernsehprogramm von vor 10 Jahren (auch wenn sich meine Differenzierfähigkeit dafür aufgrund meines geringen Alters damals etwas in Grenzen hält), so denke ich, dass sich vielleicht nicht unbedingt der Gewaltteil signifikant erhöht hat, sich aber das Konsumverhalten verändert hat. Es wird einfach mehr Fernsehen konsumiert, und so auch mehr Gewalt. Gleichzeitig ist die Hemmschwelle, was sexuelle Darstellungen angeht, im Vergleich zu den Vorjahren gefallen. Das führt jetzt sicherlich nicht zu einem Gewaltausbruch, aber ist immerhin eine erwähnenswerte Entwicklung.

Erst an dritter Stelle kommen die “Killerspiele”:

Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden. Spiele, ob über Internet oder auf dem PC, die zum Ziel haben, möglichst viele Menschen umzubringen, gehören verboten. Gleiches gilt für alle Gewalt verherrlichenden Spiele, deren Aufbau und Darstellung sehr realistisch sind und bei denen viel Blut fließt.

Die Frage wäre jetzt, wo man die Grenze zieht, zwischen reinen Body-count Spielen und Taktikshootern. So ist zum Beispiel Serious Sam ein Vertreter der stupiden Ballerei. Allerdings schießt man hier nicht auf Menschen, sondern auf Monster. Laut der obigen Forderung also ein klarer Verbotskandidat. So auch das inzwischen leidlich oft zitierte, und gar nicht mal so tolle, Counterstrike. Und die Taktikshooter aus der Tom-Clancy-Reihe? Hmm, hier kann man sich jetzt wieder streiten.

Grundsätzlich bin ich für alle Überlegungen offen, bin aber auch der Meinung, dass Verbote nicht alles sein können. Dazu im Laufe des Artikels noch mehr.

Dazu fordern die Familien auch die strengere Kontrollierung von Foren und Chats:

Wir wollen mehr Jugendschutz im Internet. In der virtuellen Welt werden heute anonym und gefahrlos Gedankengänge artikuliert und diskutiert, die eine Bedrohung für unsere Gesellschaft darstellen. Wie diese Aktivitäten eingedämmt werden können, wissen wir nicht. Es darf aber nicht sein, dass sich junge Menschen anonym gegenseitig aufhetzen und zu Gewalteskalationen auffordern.

Das ist vermutlich das große Problem im Netz: Die Anonymität. Denn Gedankengänge, die die Gesellschaft gefährden können, die werden schon seit Ewigkeiten artikuliert. Sogar Anonym, auf Flugblättern. Das Problem am Netz ist nur, dass es für jeden einfacher geworden ist, diese Gedankengänge loszuwerden. Aber vielleicht sollten wir uns dann einmal fragen, warum solche Gedankengänge zustande kommen. Hier scheinen Menschen mit dem aktuellen System nicht zufrieden zu sein, und offensichtlich gibt es davon ja ein paar mehr, gerade unter den Jugendlichen.

Am Ende des Briefes findet sich noch etwas zur Berichterstattung über den Amoklauf:

Wir wollen, dass der Name des Amokläufers nicht mehr genannt und seine Bilder nicht mehr gezeigt werden. Am aktuellen Beispiel von Winnenden zeigt sich, dass die derzeitige Berichterstattung durch unsere Medien nicht dazu geeignet ist, zukünftige Gewalttaten zu verhindern. Auf nahezu jeder Titelseite finden wir Namen und Bild des Attentäters. Diese werden Einzug finden in unzählige Chatrooms und Internet-Foren. Eine Heroisierung des Täters ist die Folge.

Bei Gewaltexzessen wie in Winnenden müssen die Medien dazu verpflichtet werden, den Täter zu anonymisieren. Dies ist eine zentrale Komponente zur Verhinderung von Nachahmungstaten.

Und schließlich verlangt man Aufklärung:

Wir wollen, dass die Tat aufgeklärt und aufgearbeitet wird. Das Warum der Tat wird sicher nie vollständig geklärt werden können. Wichtiger für die Angehörigen und unser aller Zukunft ist die Frage: Wie konnte es geschehen? Wir wollen wissen, an welchen Stellen unsere ethisch-moralischen und gesetzlichen Sicherungen versagt haben. Dazu gehören auch das Aufzeigen der persönlichen Verantwortung und die daraus folgenden – auch juristischen – Konsequenzen.

Es wird die berechtigte Frage gestellt, an welchen Stellen unsere ethisch-moralischen Sicherungen versagt haben. Die Vermutung wird vermutlich weh tun und auf Unwissenheit stoßen, aber: Bei der Erziehung. Amokläufe gibt es Deutschland schon seit den 60er Jahren, allerdings werden die Täter immer jünger. Der erste dokumentierte Amoklauf an einer Schule war im Jahre 1964, damals tötete ein älterer verwirrter Invalide mit einem selbstgebauten Flammenwerfer 10 Kinder, eine Lehrerin und verletzte zwanzig weitere. Es gab dann noch viele Amokläufe im Laufe der Jahre…

Der erste Amoklauf, der von einer jungen Person verübt wurde, ist allerdings noch gar nicht so lange her. Im November 1999 stürmte ein 15-jähriger Schüler vermummt in seine Klasse und erstach seine Lehrerin. Diese Tat ist gerade mal 10 Jahre her. In den vergangenen 10 Jahren gab es an deutschen Schulen 7 Amokläufe. Sowas gab es in Deutschland noch nie zuvor. Die Täter sind allesamt zwischen 15 und 22 Jahre alt.

Fazit

Vielleicht sollte man sich nicht nur auf Verbote beschränken. Vielleicht sollte man sich mal um die Sorgen und Nöte der Jugendlichen unserer Zeit kümmern. Ich möchte nicht behaupten, dass man das heute nicht schon tut. Aber die Anstrengung müssen verstärkt werden. Dafür müssen finanzielle Mittel bereit stehen. Es muss ein Umdenken stattfinden. Vor allem bei unseren Politikern, aber auch in unserer Gesellschaft. Der Fernseher, der Computer ist kein Ersatz für Mama oder Papa. Unsere Gesellschaft neigt zum Einzelgängertum. Dabei sollte das Mobbing nicht im Vordergrund stehen, sondern die Integration von Außenseitern. Erst wenn das möglich ist, und in unserer Gesellschaft verankert ist, wird sich die Zahl der Amokläuf wieder reduzieren. Ansonsten sehe ich schwarz…

Quellen:

http://www.mediengewalt.de/_arc/pre/zdf/001-6-11.htm
http://www.handelsblatt.com/journal/nachrichten/die-schlimmsten-amoklaeufe-in-deutschland-und-weltweit;2198618
http://www.holger-hufer.de/Sonstiges/amoklaeufe_inland.html
http://www.winnender-zeitung.de/indexWI.php?&kat=347&artikel=82

Wehe dem…

(C) by deeREK @ flickr.com

(C) by deeREK @ flickr.com

…der jetzt wieder nach einem “Killerspiele”-Verbot ruft.

Zuerst mein Beileid. Wiedereinmal sind Menschen gestorben, weil ein Jugendlicher mit seiner Welt nicht zurecht gekommen ist.

Und wiedereinmal geistert das Gespenst namens “Killerspiele” durch die Medien. In Stern TV gestern kam ein  Schüler zu Wort, der einen Schüler kannte, der den Täter mal gesehen hat (na, merkt ihr was?). Dieser behauptet, der Täter sei ein (begeisterter) Counterstrike – und World of Warcraft – Spieler gewesen. Natürlich.

Selbsternannte TV-Psychologen fordern schon ein komplettes Verbot der Gewaltspiele. Wie jedesmal. Ziemlich traurig, wenn man bedenkt, dass gerade diese Leute es eigentlich besser wissen sollten. Ein Faktor alleine ist niemals der Auslöser für eine solche Tat. Oder was haltet ihr von einem Generalverbot für Waffen? Nicht durchsetzbar? Ein Verbot von Killerspielen auch nicht.

Und sollte tatsächlich jemand auf die Idee kommen, diese Spiele zu verbieten: Wer es haben will, der lädt sich solche Spiele im englischen Original aus’m Netz. So ein Verbot kostet nur Arbeitsplätze. Und von denen haben wir ja im Moment nicht so viele, oder?

“Nicht der Umgang mit der Waffe im Verein ist verwerflich. Und wer wirklich einen Amoklauf plant, wird sich auch von Gesetzen nicht abhalten lassen.”

Aber Videospiele sind schuld. :roll:

P.S.: Wozu braucht man als Sportschütze 15 Waffen zuhause?! Und wer richtet seinem Sohn im Keller einen Trainingsraum zum Schießen ein?! Hmmm…?!?!