Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünsche ich allen Lesern meines Blogs. Sollte zwischenzeitlich nichts Dramatisches passieren, dann schreiben wir uns im neuen Jahr.
Monthly Archive for Dezember, 2008
Den Satz kennt man. Na gut, vielleicht nicht jeder. Egal. Eigentlich geht es auch gar nicht um den Satz, sondern vielmehr um ein 12-jähriges Mädchen, das nackt auf dem Cover eines Rock-Albums zu sehen ist. Nun ja, die Rede ist hier von dem Album “Virgin Killer” der Band Scorpions (ja, genau, das waren die mit “Wind of Change”
)
Das Album hat gigantische 32 Jahre auf dem Buckel. Und nun, aufmerksam gemacht durch die Moralapostel auf der Insel, kommt von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimediadienstanbieter (FSM) der Vorschlag, das Cover durch die BpjM indizieren zu lassen.
Stein des Anstosses war die Sperrung des Wikipedia Artikels über das Album “Virgin Killer” in der englischen (!) Wikipedia. Grund: Hier wird das Originalcover von 1976 gezeigt. Dies zeigt ein 12-jähriges Mädchen in lassziver Pose und unbekleidet. Der Intimbereich wird durch ein “Riss” im Cover überdeckt, der Oberkörper ist nicht verdeckt. Das Bild findet sich immernoch in der englischen Wikipedia, ich werde es aber nicht hier hochladen.
In den Augen der “Internet Watch Foundation” ist das Cover als Kinderpornografie einzustufen. Daraufhin wurde die Seite (http://en.wikipedia.org/wiki/Virgin_Killer) von 6 ISP in Großbrittanien gesperrt. Wikipedia wurde, nach den Regeln der IWF, nicht über den Vorfall informiert, worüber man natürlich sehr verägert sei.
Meine Meinung dazu?
Moppelkotze.
Das Album ist bereits über 30 Jahre alt. Damals gab es auch schon Kontroversen über das Cover, klar. Und eben das hat ja auch dazu geführt, dass die Band in einigen Ländern ein alternatives Cover herausgebracht hat. Unverfänglich, quasi ein kleines Gruppenfoto der Band. Süß.
Kinderpornografie IST ein ernstzunehmendes Thema und sowohl Verbreiter als auch Konsumenten gehören meiner Meinung nach noch härter bestraft, als es jetzt der Fall ist. Trotzdem muss man sich in diesem Falle die Frage gefallen lassen, ob eine Sperrung des Artikels so seine richtige Wirkung hat. Das Bild taucht jetzt vermutlich häufiger im Web auf, als vorher. Außerdem ist der Zugriff auf das eigentliche Bild aus GB immer noch möglich, denn das wird auf den Servern der Wikicommons liegen. So wurde effektiv nur der Artikel über das Cover gesperrt. Dies halte ich für äußerst kontraproduktiv, denn so hat der mündige Brite keine Chance, sich auch nur ansatzweise über die Sichtweise der Band oder die Kontroversen in der Vergangenheit zu informieren.
Außerdem betrifft die Sperrung nur den naiven oder unbedarften User. Denn wer mit dem Begriffen “Tor” und “Proxy” etwas anfangen kann, der hat auch diese Sperrung umschifft.
Und genau an diesem Beispiel zeigt sich auch die Sinnhaftigkeit der Sperrung von Seiten, auf denen KiPo zu finden ist. Ein schönes Zitat habe ich hier gefunden:
“Leider zeigt die Praxis, dass so genannte Internet-Sperren lediglich Scheinerfolge erzielen. Sie verdrängen das Geschehen aus dem für alle sichtbaren Bereich, aber dadurch wird das Leid keines einzigen Kindes unterbunden, kein einziger Täter gefasst und kein einziges Bild aus dem Internet entfernt.”
Quelle: heise.de, Oliver Süme, Vorstand Recht und Regulierung des Branchenverbandes eco.
Das trifft den Nagel auf den Kopf. Eine Sperrung bewirkt in etwas soviel wie das Herunterlassen der Jalousien bei den aktuellen Gewalteskapaden in Griechenland: Nichts. Nada. Niente. Necesse!
Es bleibt also abzuwarten, wie sich die gegenwärtige Situation entwickeln wird. Eines ist jedoch klar: Wenn dieses Beispiel Schule machen sollte, dann sieht es in unserer noch zensurfreien Medienwelt bald sehr, sehr düster aus…
Quelle Illustration: flickr.com, Upload: ArdailSmith, licensed under creative commons 2.0
Hallo alle zusammen,
Spätestens im neuen Jahr startet der Blog meiner Freundin und ist dann unter claudi.danielgilbert.de zu erreichen. Man darf gespannt sein…