Einleitung
Als Timothy John Berners-Lee im Jahre 1989 seinem damaligen Arbeitgeber, dem CERN, ein Projekt vorschlug, mit dessen Hilfe sich Wissenschaftler auf aller Welt einfach austauschen könnten, dachte er sicher noch nicht darüber nach, das fast 20 Jahre später sein “World Wide Web” maßgeblich für den Alltag der industriellen Nationen sein wird.
In dieser Artikelserie möchte ich mich einmal näher mit dem Phänomen des “Web” auseinandersetzen. Im ersten Teil beleuchten wir die ersten Schritte des Webs, im zweiten die Entwicklung der Browser, im dritten Teil widmen wir uns der inhaltlichen Entwicklung des Webs, wobei wir im vierten Teil das als Web 2.0 zusammengefasste Phänomen gesondert beleuchten. Im fünften und letzen Teil wagen wir einen Ausblick auf das, was in naher Zukunft auf uns einprasseln könnte. Die Artikel werden in loser Reihenfolge veröffentlicht, Ziel ist jedoch, zwischen keinem Artikel mehr als 10 Tage vergehen zu lassen. In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen. Hinweis: Eine Auflistung aller Quellen findet sich dann im fünften und letzten Teil. Außerdem wird es die gesamte Serie dann vermutlich als PDF-Download geben.
Wie alles begann…
1989 schlug Tim Berners-Lee seinem Arbeitgeber, dem Institut CERN, ein Projekt vor, an dessen Ende ein Infrastruktur stehen sollte, die es Wissenschaftlern weltweit ermöglicht, Informationen untereinander auszutauschen. Denn man muss Wissen, dass die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz genau durch das CERN verläuft und somit unterschiedliche technische Systeme existierten. Die Kommunikation und die technischen Grundlagen zum Austausch von Forschungsergebnissen waren katastrophal. Berners-Lee bekam den Segen für sein Projekt, und so entwickelte er noch im selben Jahr HTML, HTTP und die URL und schuf somit die Grundlage für das weltweite Netzwerk.
Am 25.12.1990 kommunizierte der von Berners-Lee entwickelte Browser “WorldWideWeb” zum aller ersten Mal mit dem von ihm ebenfalls entwickelten Webserver unter info.cern.ch
So kann man heutzutage, ohne dabei viel falsch zu machen, das CERN als Geburtsstätte des WWW betrachten.
Leider Gottes war dieser Browser auf NeXTStep programmiert worden und sehr abhängig von eben dieser Plattform. Berners-Lee und sein neu dazu gekommener Weggefährte, Robert Cailliau, seines Zeichen belgischer Professor mit einem ähnlichen Problem wie Berners-Lee, beschlossen das neu entwickelte System auf Unix zu portieren, was deutlich weiter verbreitet war als NeXT.
Da das CERN damals schon mit der Entwicklung des LHC beschäftigt war, blieb für Berners-Lee Idee kein Geld über, und so wurde auf studentische Hilfskräfte zurückgegriffen. Eine davon war die Mathematikstudentin Nicola Pellow. Diese bekam den Auftrag, einen Browser zu schreiben, der auf nahezu allen Terminals funktioniert. Zwar ein Rückschritt gegenüber dem grafischen Browser von Berners-Lee, aber immerhin wurden nun auch die weiter verbreiteten Terminals unterstützt. Schnell erkannte er jedoch, dass es nicht Sinn und Zweck sein kann, mehr und mehr Zeit alleine in die Entwicklung der Browser zu stecken, da vom CERN vermutlich keine finanziellen Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden würden.
So wurde die nächste studentische Hilfskraft, Jean-François Groff, im Herbst 1991 mit der Aufgabe vertraut, eine Anwendungsbibliothek für Unix zu schreiben, auf dessen Basis nun andere Entwickler einen grafischen Browser für das X-Window System von Unix schreiben könnten. Diese Bibliothek beinhaltete die Definitionen für das Übertragungsprotokoll HTTP, das einheitliche Adressierungsschema URI und die Auszeichnungssprache für Hypertext-Dokumente, kurz HTML.
Da die Bibliothek names libwww defacto Open-Source war, also komplett frei von Rechten im Spätsommer 1991 online gestellt wurde, dauert es nicht lange, bis die ersten Unix-Browser geschrieben wurden: Erwise und ViolaWWW
…der Weg zum Erfolg
Allerdings konnte sich zu dieser Zeit, um 1991/92, keiner wirklich für Berner-Lees und Cailliaus World Wide Web begeistern. Auf einer Hypertext-Konferenz namens “Hypertext 91″ Ende 1991 in San Antonio wurde der Vortragsvorschlag der beiden von der Liste der Vorträge gestrichen und ihrer Präsentation beschränkte sich auf das Foyer.
Dennoch wurde der Browser und der Webserver von Berners-Lee immer häufiger heruntergeladen und entwickelte sich auch im CERN zu einem anerkannten Dokumentationssystems. Immer neue Webserver entstanden und langsam gewann die Bewegung an Fahrt. Als dann die University of Minnesota plötzlich Lizenzgebühren für die kommerzielle Nutzung ihres Gopher-Protokolls verlangten, wuchs bei einigen Entwicklern die Sorge, dass dieses Schicksal auch dem von Berners-Lee entwickelten WWW-Protokoll ereilen könnte. Diese Sorge konnte jedoch schnell zerstreut werden, in dem das CERN Berners-Lee in einem Schriftstück im 1993 versicherte, dass ihm die freie Nutzbarkeit der Technologie zusicherte.
Schnell wurde klar, dass die Weiterentwicklung in ein Industriekonsortium ausgelagert werden müsste, denn ohne die Industrie mit im Boot zu haben, würde sich der Standard sicher schwerlich etablieren können.
So wurde 1994 das W3C (World Wide Web Consortium). Diesem schlossen sich immer mehr und mehr Unternehmen und Institutionen an, der Grundstein für den Boom des Internets war zumindest auf Seiten der Grundlagen gegeben.
Allerdings fehlte noch etwas Wichtiges: Ein Browser für die breite Masse. Warum ein Navigator die Herrschaft übernimmt, es zu einem reglerechten Krieg kommt und was ein Monster aus Japan damit zu tun hat, dazu gibt es dann mehr im nächsten Teil dieser Serie.