Instant-Messenger im Test!

Das Wetter ist wieder einmal zum weglaufen schön. Deshalb, und da ich immer noch auf der Suche nach dem passenden Instant-Messenger (IM) bin, teste ich nun einmal einige ausgewählte IM. Auch wenn die Kandidaten mehrere Protokolle unterstützen, so wird nur Wert auf das Protokoll gelegt, das immer noch am weitesten verbreitet ist: OSCAR aka ICQ.

Zu den Kandidaten zählen: Miranda IM, QIP Infium, Pidgin (ehemals “Gaim”), der Klassiker ICQ 6.0 und das kleine Küken InstantBird.

Die Testbedingungen

Als Testsystem dient mein Desktop-PC, P4 @ 2,66 Ghz, 512 MB RAM, Windows XP Home mit SP 3. Alle Testkandidaten werden “as-is” getestet, d.h. ohne zusätzliche Skins oder Plugins. Zum Testen wurde extra ein Account angelegt.

Miranda IM

Getestete Version: 0.7.7
Website: http://www.miranda-im.org
Betriebssysteme: Windows

Der erste Kandidat ist auch mit einer der bekanntesten IM, wenn es um eine Alternative zum proprietären ICQ-Client geht. Unter dem Namen “Miranda-ICQ” als Alternative zum propietären ICQ-Client veröffentlicht, erlangte er recht schnell Beliebtheit. 2003 wurde der Name aufgrund der Vielzahl unterstützter Protokolle in “Miranda IM” umgetauft. Trotz der langen Zeit, die bislang vergangen ist, bekommt Miranda immer noch nicht die Versionsnummer 1.0, also Final.

Für Miranda gibt es über 350 Plugins und mindestens genausoviele Skins. Miranda ist in zahlreichen Sprachen, u.a. Deutsch, verfügbar.

Das Hauptfenster

cl

Miranda ist in der Grundausstattung sehr schlicht gehalten. Dies mag einigen missfallen, ist jedoch mit eine der Grundintentionen des Projekts. Dies führt zu einem relativ geringen Speicherverbrauch und taugt daher auch für ältere Systeme. Das Interface ist übersichtlich gestaltet, in der oberen Leiste findet sich unter dem Miranda Logo das Hauptmenü. In der unteren Leiste kann man den Status ändern. Dies gilt nicht nur für das ICQ-Protokoll, sondern wird um die jeweiligen ausgewählten Protokolle erweitert.

Das Nachrichtenfenster

textmessage

Das Chatfenster ist wie das ganze Programm sehr schlicht gehalten. Man hat als Eingabeleiste eine Zeile im unteren Fensterbereich, den man jedoch auch bei Bedarf erweitern kann. Das Eintreffen einer neuen Nachricht wird durch ein blinkendes Briefsymbol in der TNA kenntlich gemacht, wenn das Nachrichtenfenster nicht geöffnet ist. Mit zahlreichen Plugins und Skins kann man natürlich das gesamte Programm aufbohren. Allerdings muss man sich dann auch im Klaren sein, dass der Speicherverbrauch massiv steigt…

Zusammenfassung

Miranda macht trotz der geringen Versionsnummer einen sehr ausgereiften Eindruck, was auf Grund der jahrelangen Entwicklungszeit auch nicht verwundert. Gerade für Puristen und Benutzer mit geringen

Überblick

Kostenlos Ja
Werbeeinblendung Nein
Mehrere Protokolle Ja
Mehrere Sprachen Ja
Sounds Nein
Grafische Smileys Nein
Spiele Nein
Plugins Ja
Skins Ja
Dateiübertragung Ja
Besonderheiten Sehr schlichtes Design; Große Pluginvielfalt; Mit Wine 0.9.x auch unter Linux lauffähig; Unicode-Unterstützung

QIP Infium

Getestete Version: QIP Infium Build 9010
Webseite: http://qipim.com/de/
Betriebssysteme: Windows

QIP (Quiet Internet Pager) wurde Ende 2004 ins Leben gerufen. Dabei hieß die erste Version QIP 2005. Dies ist auch immer noch der aktuelle Name, lediglich die Build-Nummern verraten etwas über die Version. Ich teste den Nachfolger Infium, der über kurz oder lang QIP 2005 ablösen soll. QIP unterstützt in der ursprünglichen Version nur ICQ und AIM, Infium fügt nun noch Jabber und XIMMS hinzu.

Das Hauptfenster

cl

Das Hauptfenster von QIP wirkt beim ersten Start überladen, man wird geradezu Erschlagen von der Fülle der Optionen. Außerdem wirkt das Interface nicht intuitiv, man muss sich umständlich durch Statuseinstellungen klicken. Wer QIP aufpeppen möchte, kann das mit Skins tun, die man sich herunterladen kann. Infium bietet außerdem noch eine Plugin-Schnittstellt, so dass man QIP um weitere Features erweitern kann. Die Auswahl ist allerdings nicht so umfangreich wie bei Miranda.

Das Nachrichtenfenster

textmessage

QIP weist mit einem PopUp darauf hin, dass jemand aus der Kontaktliste eine Nachricht tippt. Beim Eintreffen der Nachricht erscheint ein PopUp mit der Nachricht. Klickt man darauf, kommt man direkt zum obigen Nachrichtenfenster. Hier hat man zahlreich Möglichkeiten, beispielsweise kann man Standardantworten zurückschicken (dies kann man auch automatisieren), sie die Avatare anzeigen lassen oder den Font verändern. Das obige Bild zeigt den sogenannten “Compact-Mode”. Der Standard sieht so aus:

textmessage_ext

Wie man auch gut erkennen kann, werden mehrere Nachrichtenfenster in einem Fenster in Tabs verteilt.

Zusammenfassung

Alles in allem macht QIP einen guten Eindruck, jedoch schwächelt das überladene Interface und die umständliche Anmeldung. Der Autor verspricht sich von der Version Infium die Möglichkeit der Vermarktung von QIP. Ob das nun bedeutet, das QIP mit Werbung überschwämmt, oder gar kostenpflichtig wird, das sei erstmal dahingestellt.

Überblick

Kostenlos Ja
Werbeeinblendung Nein
Mehrere Protokolle Ja
Mehrere Sprachen Ja
Sounds Ja
Grafische Smileys Ja
Spiele Nein
Plugins Ja
Skins Ja
Dateiübertragung Ja
Besonderheiten Ungewisse finanzielle Zukunft; Umständliche Anmeldung; Sehr viele Einstellungsmöglichkeiten

Pidgin

Getestete Version: 2.4.3
Webseite: http://www.pidgin.im
Betriebssysteme: BSD, Linux, Windows

Pidgin hieß früher Gaim, wurde jedoch aufgrund von Rechtsstreitigkeiten mit AOL (in dem Ausdruck steckt mehrheitlich das Wort “AIM”). Ursprünlich war Pidgin nur für Unix/Linux gedacht, wurde jedoch bald auch nach Windows portiert.

Das Hauptfenster

cl

Das Hauptfenster macht beim ersten Start einen sehr aufgeräumten Eindruck. Die Bedienung ist einleuchtend und intuitiv. Kontakte, deren Status “offline” ist, werden, wie bei QIP übrigens auch, automatisch ausgeblendet. Wenn man bei Pidgin den Status ändert, so bekommt man die Möglichkeit, in einer extra eingeblendeten Zeile unterhalb des Buttons zum Statuswechsel, seinen persönlichen Text einzugeben. Dieser kann bei Bedarf wieder ausgewählt werden, es wird eine Art “History” der erstellen Messages angewählt.

Das Nachrichtenfenster

textmessage

Erhält man eine Textnachricht, so erscheint sofort das Nachrichtenfenster. Außerdem blinkt in der TNA ein Sprechblasen-Symbol. Das Nachrichtenfenster selbst wirkt sehr ordentlich und aufgeräumt, auf Avatare des Gegenübers muss man verzichten, das eigene Eingabefeld lässt sich vergrößern. Leider war es mir im Testlauf nicht möglich, den “Schrift”-Button zu nutzen. Woran das lag, konnte ich bislang nicht heruasfinden. Wenn der Gegenüber ebenfalls Pdigin verwendet, so kann man sich direkt in den Nachrichten auch Bilder zuschicken. Ob man das nun benötigt oder nicht, muss jeder für sich entscheiden.

Zusammenfassung

Auch Pidgin macht einen vernünftigen Eindruck, was die hohe Versionsnummer jedoch auch schon erahnen lässt. Allerdings ist Pidgin beim Hinzufügen neuer Freunde im ICQ-Modus nicht wirklich intuitiv. Als Benutzer weiß man nicht, was man jetzt genau unter “Benutzername” und “Alias” eingeben soll. Denn, eine Zahl kann man dort, im ersten Feld, nicht eingeben. Außerdem kann Pidgin nicht mit mehreren Dateien umgehen, die über ICQ gesendet werden. Pidgin möchte die immer in eine Datei speichern.

Überblick

Kostenlos Ja
Werbeeinblendung Nein
Mehrere Protokolle Ja
Mehrere Sprachen Ja
Sounds Ja
Grafische Smileys Ja
Spiele Nein
Plugins Ja
Skins Ja
Dateiübertragung Teilweise
Besonderheiten Einfache Oberfläche; Fehler in der Dateiübertragung; Eine rein konsolenbasierende Version namens Finch ist vorhanden, jedoch nur für Unix/Linux/BSD

ICQ 6.0

Getestete Version: 6.0 Build 6063
Webseite: http://www.icq.com
Betriebssysteme: Windows, Mac OS

ICQ 6.0 ist der propriätere Client des gleichnamigen Protokolls. Er wurde ursprünglich 1996 von der israelischen Firma Mirabilis geschaffen. Für 406 Millionen US-Dollar wird ICQ 1998 von AOL gekauft. Inzwischen bietet ICQ mehr als nur die Möglichkeit, Texte von A nach B zu senden. ICQ 6.0 ist sehr ressourcenhungrig.

Das Hauptfenster

cl

Das Fenster ist recht übersichtlich gehalten, wird jedoch zu zirka 1/4 von Werbung in Beschlag genommen. Die Farbe kann mithilfe eines Sliders justiert werden, die obere Leiste mit Werbung lässt sich nicht ausblenden. Im unteren Bereich kann man auch das zusätzliche VoIP nutzen. Jedoch ist das telefonieren ins Festnetz derzeit nur in den Staaten möglich. Beim Start von ICQ wird ein großes Werbefenster geöffnet. Dies lässt sich nicht unterbinden.

Das Nachrichtenfenster

textmessage

Erhält man eine Nachricht, so erscheint ein kleines PopUp, das den Nachrichtentext beinhaltet und eine Sofortantwort ermöglicht. Nutzt man diese Funktion, so schaltet das Programm jedoch ab einer gewissen Textlänge auf das Hauptfenster um. Dieses ist mit bunten Schaltflächen ausgestattet, und im unteren Teil befindet sich eine Werbefläche. Außerdem kann man direkt im Nachrichtenfenster auf die vorhandenen Spiele zugreifen.

Zusammenfassung

ICQ 6.0 ist wahrscheinlich der umstrittenste Client. Nun, man kann ihn einigermaßen vernünftig verwenden. Wenn man über die nervende Werbung hinwegsehen kann, dann kann man dank der integrierten Spiele mit seinem Chatpartner auch eine Menge Spaß haben. Diese Spielfunktion lässt sich jedoch zum Beispiel bei Miranda über Plugins nachrüsten. Hier sollte man sich vielleicht an der Verbreitung innerhalb seines Freundeskreis orientieren.

Überblick

Kostenlos Ja
Werbeeinblendung Ja
Mehrere Protokolle Nein
Mehrere Sprachen Ja
Sounds Ja
Grafische Smileys Ja
Spiele Ja
Plugins Nein
Skins Ja
Dateiübertragung Ja
Besonderheiten Sehr viel Werbung; Sehr ressourcenhungrig; Spaßfaktor dank integrierter Spiel; Laut AGB von AOL einziger zugelassener Client für das OSCAR-Protokoll

InstantBird

Getestete Version: 0.1.1
Webseite: http://www.instantbird.com
Betriebssysteme: Linux, Windows, Mac OS

InstantBird ist ein sehr junger IM, der im Oktober 2007 aus der Versenkung geholt wurde. Er basiert auf der Mozilla-Engine Gecko (daher das “bird” im Name) und der libpurple-Bibliothek, die auch Pidgin nutzt. Ziel sei es, einen IM zu entwickeln, der eine ähnliche Sicherheit und Stabilität sowie Erweiterbarkeit wie Thunderbird und Firefox bietet. (Quelle: http://blog.queze.net/c255-instantbird-0-1.html)

Jedoch ist Instantbird noch in den Kinderschuhen. Daher verzichte ich in diesem Zusammenhang auf einen direkten Vergleich mit den anderen Konkurrenten. Den ersten Eindrücken nach kann jedoch InstantBird, wenn er denn jemals fertig wird und nicht dasselbe Schicksal ereilt wie Sunbird, durchaus ein ernstzunehmender Konkurrent werden.

Allerdings ist bei dieser Version zu beachten, dass man sich von Pidgin die aktualisierte ICQ-DLL holen muss. Dies ist in dem Installationspaket noch nicht geschehen. Dies ist hoffentlich kein Indikator für die Aktivität in dem Projekt.

Das Resultat

Zum Ende nochmal eine Vergleichstabelle:

Miranda IM QIP Infium Pidgin ICQ 6.0
Kostenlos Ja Ja Ja Ja
Werbeinblendung Nein Nein Nein Ja
Mehrere Protokolle Ja Ja Ja Nein
Mehrere Sprachen Ja Ja Ja Ja
Sounds Nein Ja Ja Ja
Grafische Smileys Nein Ja Ja Ja
Spiele Nein Nein Nein Ja
Plugins Ja Ja Ja Nein
Skins Ja Ja Ja Ja
Dateiübertragung Ja Ja Teilweise Ja
Besonderheiten Sehr schlichtes Design; Große Pluginvielfalt; Mit Wine 0.9.x auch unter Linux lauffähig; Unicode-Unterstützung Ungewisse finanzielle Zukunft; Umständliche Anmeldung; Sehr viele Einstellungsmöglichkeiten Einfache Oberfläche; Fehler in der Dateiübertragung; Eine rein konsolenbasierende Version namens Finch ist vorhanden, jedoch nur für Unix/Linux/BSD Sehr viel Werbung; Sehr ressourcenhungrig; Spaßfaktor dank integrierter Spiel; Laut AGB von AOL einziger zugelassener Client für das OSCAR-Protokoll

Alles in allem gibt es keinen klaren Sieger. Hier sind die individuellen Vorlieben gefragt: Wer einen Instant-Messenger sucht, der schlank ist, jedoch bei Bedarf erweitert werden kann, der ist mit Miranda gut bedient. Verzichten tut man in der Standard-Version jedoch auf bunte Smileys und quietschige Töne. Diese kann man jedoch nachrüsten. Wer auf Unterhaltung setzt, der ist mit der ursprünglichen Version ICQ 6.0 bestens bedient. Hätte ich die Wahl zwischen QIP und Pidgin, so würde ich mich für Pidgin entscheiden. QIP wirkt zu überladen, außerdem stören die kommerziellen Absichten des Autors. InstantBird hat einen Sonderstatus. Zum produktiven Einsatz taugt es meiner Meinung nach noch nicht, allerdings sollte man es schon im Auge behalten.

5 Responses to “Instant-Messenger im Test!”


  • Hey :-) Deine Testreihe finde ich gut, da ich auch überlege zu wechseln, seit ICQ5.1 nicht mehr geht(Ok inzwischen gibt es ein patch dafür).
    zu ICQ6: “Die Farbe kann mithilfe eines Sliders justiert werden” Echt? Wo hast du denn das gefunden? Würde nur zu gerne die Farbe ändern….
    “die obere Leiste mit Werbung lässt sich nicht ausblenden.” Doch, man kann alles an Werbung ausblenden, allerdings ist dazu wieder ein Patch nötig.
    “Beim Start von ICQ wird ein großes Werbefenster geöffnet. Dies lässt sich nicht unterbinden” Häckchen bei den Optionen raus und schon gibts kein Welcome-Screen mehr ;-)

    Bei Gelegenheit sollte ich mich mal mit Pidgin beschäftigen. Scheint auch einen guten Eindruck zu machen :-)

    Viele Grüße

  • Erstmal danke für das Lob. :)

    Echt? Wo hast du denn das gefunden? Würde nur zu gerne die Farbe ändern….

    *räusper* Bei ICQ 5, I’m sorry… :oops:

    Doch, man kann alles an Werbung ausblenden, allerdings ist dazu wieder ein Patch nötig.

    Ja, stimmt, das hätte ich erwähnen können. Es gehörte aber zur Testbedingung, eine “unmodifizierte” Version zu nutzen.

    Häckchen bei den Optionen raus und schon gibts kein Welcome-Screen mehr

    Stimmt, das hatte ich übersehen. Danke. ;)

  • Huhu, finds auch gut, dass du dich mal den IM annimmst, hab aber auch noch einen Verbesserungsvorschlag bei Pidgin (da ich das unter Linux ja nutze ^^).
    Als Besonderheit würde ich auf jeden Fall anführen, dass man sich unter zwei Klienten gleichzeitig anmelden kann, dass ist, find ich, ein nützliches feature. Und das mit der Datenübertragung hab ich nicht ganz gecheckt, zumindest zu ICQ 6 funktioniert das bei mir nämlich (also einfache Dateien verschicken, n Bild, etc)
    Ansonsten großes Lob und weiter so ^^

  • Moin Joni,

    Naja, das Problem ist, dass man bei ICQ mehrere Dateien auswählen kann, und die werden dann nacheinander verschickt. Bei Pidgin kann man aber unter Windows keinen Ordner auswählen, sondern muss eine Datei wählen. Da liegt leider das Problem. ;)

  • Naja, aber… egal :D
    Wenn man die Dateien zipt gehts halt :D
    aber is umständlicher, da hast du schon recht, denk ich

Comments are currently closed.